ratiophorm.net

selected works

[a skull]

DJ ratiopharm und andere schlimme Irrtümer

Postminimal ist der Name für das, was man heute auflegen muss -- und was ich dementsprechend selbstverständlich auch auflege. Das klingt erstmal ein bisschen blöd, so wie Postmoderne, Postrock und so weiter immer denken, was ganz Tolles, ganz Neues zu sein, und sich dann doch als sehr anschlussfähig an Altes erweisen. Das ist natürlich bei Postminimal genauso. Die Musik ist nicht das ganz Neue oder so, es gibt in ihr nur eine andere Tendenz als im Minimal. Um das zu verstehen, muss man aber ersteinmal wissen, was minimal ausgemacht hat, und das war zunächst die Negation von Rave. Irgendwann ging es einfach nicht mehr, dass man sich am Ende der Party in einer Großraumhalle mit allen Verbliebenen glücklich as Familie fühlte, dass man eine Gänsehaut bekam, wenn Mobis "Go" oder Westbams "Celebration Generation" gespielt wurde, oder überhaupt, dass man auf eine freundliche und friedliche Weise glücklich war. Deshalb konnte sich die Musik vernünftiger Weise nur in zwei Richtungen entwickeln, sie konnte härter und böser, oder reduzierter und rationaler werden. Über die erstere Richtung, über Hardcore-Techno, Gabba, Break Core, Noise Core und was auch immer, will ich hier gar nicht reden. Die ist auch nicht so wichtig für Postminimal. Entscheidender ist die andere Richtung, in der die Sounds immer genauer geplant, die Melodien immer versteckter und die Beats immer komplizierter wurden. Diese Richtung hat sich natürlich auch auf sehr verschiedene Weisen ausdifferenziert, es gab diejenigen, die den Rhythmus soweit reduzierten, dass sie sich Ambient oder Neuer Musik annäherten, es gab diejenigen, die der Rhythmus unglaublich verkomplizierten, minimalisierten und brachen, und das Ergebnis dann clicks'n'cuts nannten, es gab aber (zum Glück) auch diejenigen, die sich von der Tanzfläche ud vom Viervierteltakt nicht lösen wollten. Die haben dann immer ruhigere und immer rationalere Tanzmusik gemacht. Die Resultate konnten sich sehen lassen, wenn man an Akufen, Thomas Brinkmann oder Plastikman denkt. Sie hatten aber auch das Problem, dass sie sich ein bisschen abnutzten und beim Feiern bald nicht mehr soviel Spaß bringen konnten, denn sie waren einfach nicht so aufmunternd und freudig wie Rave. Und der Spaß am Bösen ist doch ein anderer spaß, der zwar sehr schick und cool ist, aber manchmal (heimlich) doch etwas vermissen lässt. So hat sich in der letzten Zeit konsequenter Weise eine Gegenbewegung zu Minimal entwickelt, die sich wieder getraut hat, Rave-Effekte zu benutzen, das aber nicht mehr im Stile der leichten Fröhlichkeit, die es damals gab, sondern irgendwie eher so, als erinnere die Musik an Damals, also Rave als Referenz, als erinnertes Gefühl, nicht als aktuelles Party-Feeling. Und das ist im Moment das hippste, was geht.

presence

Top Ten Tracks zum Auflegen

01.misc . superbrand . sender
02.chadronnet&afrilounge . phonix . pokerflat
03.thomas brinkmann . susi ii . max ernst (nur auf -8)
04.steadycam . rotums kanoner . k2
05.daniel bell . phreak . accelerate
06.rocco branco . kapital . platzhirsch
07.kaliber6 . kaliber
08.chadronnet . eve by day(ripperton's lovelee dae mix) . connaisseur
09.christian morgenstern . lydia to the edge of panic . forte
10.phylyps trak ii . basic channel

Top Ten Avantgarde/Industrial/Experimental/Whatever-Platten

01.coil vs. elph . worship the glitch
02.coil presents black light district . a thousand lights in a darkened room
03.elph . philm#1 etc.
04.coh . vox tinnitus
05.the legendary pink dots . malachai (shadow weaver ii)
06.current 93 . all the pretty little horses
07.another headache . serendipity
08.illusion of safety . fin de siecle
09.dome . 1
10.throbbing gristle . tg now

Top Ten Rock/Pop-Songs

01.sonic youth . tunic (song for karen)
02.joy division . a means to an end
03.the cure . charlotte sometimes
04.the charlatans . impossible (weiß gerade nicht wie der Mix heißt)
05.joy division . disorder
06.sonic youth . hits of sunshine
06.the cure . strange day
07.dinosaur jr . just like heaven
08.jesus & mary chain . on the wall
09.the exploited . troops of tomorrow
10.ciccone youth . into the groovey

Top Ten Electronic Pop Songs

01.the klinik . sick in your mind
02.skinny puppy . worlock
03.throbbing gristle . united
04.the normal . warm leatherette
05.das kombinat . vorbereitung auf den tag x
06.coil . teenage lightning
07.the klinik . someone somewhere
08.skinny puppy . love in vain
09.severed heads . dead eyes opened
10.chris & cosey . dr. john (sleeping stephen)

Top Weekly Tracks at last.fm

[last.fm tracks]

Top Weekly Artists at last.fm

last.fm artists

history

Seit 1994 lege ich Musik auf. Am Anfang mit zwei Platten (Phylyps Trak II von Basic Channel und Demons/Horses von Voodoo Child auf novamute), einem (nicht pitchbaren) Plattenspieler, einer Compilation-CD (Novamute: Version 1.1, ebenfalls auf novamute, mit dem schönen Stück The Age of Love Suite von Unity 3 drauf) und einem CD-Player (der selbstverständlich auch nicht pitchbar war). Man kann sich vorstellen, dass der Spass damit ziemlich schnell abgenommen hat. Zwar durfte ich bei meinem Freund Mehmet hin und wieder richtig auflegen, mit seinen vielen Platten, aber gereicht hat das nicht. Ich kaufte mir also 1995 zwei pitchbare Plattenspieler (markenlos -- nicht makellos -- billig, und natürlich immer noch mit Riemenantrieb), und eine Menge Platten, von denen ich heute die meisten längst wieder verkauft habe. Phylyps Trak II (natürlich!) und Demons/Horses dagegen habe ich behalten, auch wenn ich letztere kaum mehr auflegen würde. War ein guter Start. So nahm das Ganze dann seinen Lauf, führte über die Jahre zu verschiedenen öffentlichen Auftritten:

-- Musikbox, Minden: Da habe ich kurze Zeit im kleinen Raum (der glaub ich auch einen Namen hatte) als Resident Gruftimusik aufgelegt (abwechselnd mit einem anderen Typen, der glaub ich auch einen Namen hatte), und zwar bessere und ausgewähltere, als man sonst während des 1996 neu auflebenden Gruftihypes in Ostwestfalen/Lippe so hören konnte. Kam aber nicht gut an, Minden wollte die großen Hits, nothing else. Danach habe ich mir geschworen, nur noch Techno aufzulegen. Diesen Schwur -- wie die meisten -- habe ich gebrochen.

-- Elchkeller, Hannover: Gleich da nämlich, zu Anfang meines Studiums habe ich wieder den billigen kleinen Ruhm vor meiner Posse gesucht und bei Philosophenparties schmierige Rockmusik aufgelegt. Allerdings meiner Meinung nach immer noch mit einer gewissen Qualität. Irgendwann habe ich es dann auch tatsächlich einmal geschafft, mit ein paar Bekannten zusammen eben da eine Techno-Party zu organisieren, die auch gut gelaufen wäre, hätte nicht jemand auf dem Klo Feuer gelegt.

-- Stumpf, Hannover: Gleicher Schrott wie im Elchkeller

-- Glocksee, Hannover: Das war dann eigentlich die erste richtige Technoparty (endlich!), zusammen mit Suzi Wong, Martin und Oliver Kiesow (heute als Jeff Pils)

-- Silke Arp Bricht, Hannover: Techno nach einem Livekonzert von Stefan Roigk, Pit Noack, André Birken und noch irgendwem. Sehr erfreulich. Irgendwann gabs Ping Pong mit Suzi Wong.

-- Spandau, Hannover: Vernisage der Ausstellung grey matter 02 von Stefan Roigk. Techno, zusammen mit Mehmet, bzw. dem musikalischen Gewissen dieser Stadt.

-- NBI: Noch in der zweiten Location mit eeeecht miesem Soundsystem. Aber immerhin Techno und kein Schweinerock. Zusammen mit dem Live-Techno-Projekt Mikrobeat-Kilobeat.

-- Golden Gate, Berlin: Techno, und am Ende, nicht gerade zur Freude der Veranstalter, etwas Breakcore, wieder mit Kilobeat-Mikrobeat (oder andersrum?) und mit mir selbst, d.h. dem zweiten und letzten Live-Konzert von meinem Soloprojekt Schmetterling. Dieses Mal mit besserem Soundsystem.

-- Dalli Dalli, Berlin: Das letzte Mal mit Mikrobeat-Kilobeat. Freundlicher Techno mit wieder mal Sound unter aller Sau.

--Kopierbar, Berlin, 13.07.07
[Radio Harlekins vs. DJ ratiophorm, 13.07.07., 21:00, Kopierbar, Rosenthaler Str. 71, Berlin Mitte]

Creative Commons License Valid XHTML 1.0 Strict Valid CSS! [ext]